Deitmer

Die VHS Dortmund und die Stadt-und Landesbibliothek der Stadt Dortmund trauern um die  Krimiautorin Sabine Deitmer, die am Samstag, 11. Januar 2020, gestorben ist.

Sabine Deitmer wurde 1947 in Jena geboren und ist in Düsseldorf aufgewachsen, sie studierte in Bonn und Konstanz Romanistik und Anglistik. Nach ihrem Studium lebte und arbeitete sie in Konstanz und Berlin, im Jahr 1978 zog sie nach Dortmund und war an der VHS Dortmund als Programmbereichsleiterin für die Bereiche Alphabetisierung, Französisch und Literatur verantwortlich.

Von April 1990 bis Dezember 2000 war sie beurlaubt und hat sich ihrer schriftstellerischen Karriere gewidmet. Während dieser Zeit erschienen mehrere Kriminalromane, die auch erfolgreich für das Fernsehen verfilmt worden sind.

Von Januar 2000 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2007 war sie wieder für die VHS Dortmund tätig und leitete den Programmbereich Englisch.

Ihre schriftstellerischen Anfänge machte sie in der Gruppe „Frauen schreiben“, die sie Ende der 1970er Jahre zusammen mit Gisela Schalk und Bettina Rolfes gründete.

Im Jahr 1988 erschien ihr Kurzgeschichtenband  „Bye-bye, Bruno“, 1990 folgte der Erzählband „ Auch brave Mädchen tun’s“. In diesen  Kurzgeschichten widmet sie sich Frauen, die ohne Skrupel nervige Chefs und andere lästige Männer ins Jenseits befördern.

Legendär sind ihre Buchpremieren, die anlässlich einer Buchneuerscheinung allesamt in der Stadt-und Landesbibliothek stattfanden. Die VHS und die Stadt-und Landesbibliothek als Veranstalter mussten bei jeder Buchpremiere Nervenstärke beweisen, weil die Besucherzahlen niemals vorher absehbar waren und teilweise das Fassungsvermögen im Studio B sprengten.

In ihren Kurzgeschichten und Romanen setzte sie bereits in den 1980er Jahren einen neuen Trend, in dem Frauen nicht länger die Opferrolle einnehmen.

Ihre Protagonistinnen sind Frauen, die Männer ermorden, weil sie von ihnen unterdrückt und nicht akzeptiert werden; Frau konnte sich mit ihren Täterinnen, die zugleich Heldinnen waren, identifizieren.
In ihrem ersten Roman“Kalte Küsse“ kreiert sie 1993 die Figur der Kommissarin Beate Stein.

Der 2. Krimi mit Beate Stein erscheint im Jahr 1994 unter dem Titel: „Dominante Damen“ und wurde mit dem Deutschen Krimipreis (2. Platz) ausgezeichnet.

Es folgten:  „NeonNächte“ 1995; „Scharfe Stiche“, 2004; „Perfekte Pläne“, 2007.

Für ihren Roman „Scharfe Stiche“ erhielt sie 2005 den Frauenkrimipreis der Stadt Wiesbaden, die AGATHE.

Ihre Recherchearbeit betrieb sie mit großer Gründlichkeit. Für diesen Roman, in dem ein Schönheitschirurg mit angenähten Schweineohren in einem Plastiksack tot vor der eigenen Praxis liegt, beschaffte sie sich im Schlachthof einen Schweinekopf. Auf dem heimischen Kűchentisch experimentierte sie mit Nadel und Faden, um praktische Erkenntnisse im Umgang mit angenähten Schweineohren zu erlangen.

Im Jahr 2008 erhielt sie von der Autorengruppe Das Syndikat den Ehren-Glauser für ihr Gesamtwerk.

In ihrem letzten Roman „Perfekte Pläne“ setzte sie sich mit dem Thema Alter auseinander, ihre Kommissarin Beate Stein quittiert den Dienst.

Nach diesem letzten Roman hat Sabine Deitmer, ähnlich wie ihre Kommissarin Beate Stein, ihre schriftstellerische Arbeit beendet, sie veröffentlichte nur noch einzelne Aufsätze in diversen Anthologien.

Nach ihrer Pensionierung genoss sie ihre freie Zeit, haderte jedoch mit den Beschwernissen des Alters. Ein Zitat aus einem Brief, den sie im Jahr 2008 anlässlich einer Lesereise aus Meran schrieb: “Das Alter ist nicht lustig.”

Ein Zitat des franko-kanadischen Schriftstellers Jack Kerouac charakterisiert Sabine Deitmer in einem einzigen Satz:
“Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten, die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen, die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter die ganze Nacht brennen, brennen, brennen.”

Sie war stets eine schillernde Persönlichkeit, die das Leben an der VHS durch ihre kreativen Ideen und unkonventionellen Problemlösungsstrategien geprägt hat.

Wer sie kannte, wird sich immer gerne an sie erinnern.

Ulrike Rüthing-Vollmer

 

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